Seit einiger Zeit trägt die Kontaktpflege mit DAAD-Alumni in München erfreuliche Früchte, sei es, dass sie Ideen für Unternehmungen beitragen oder sich maßgeblich an Events beteiligen. Für die Führung der RG München am Max-Planck-Instituts für Plasmaforschung IPP trifft beides zu: Der Mann einer Alumna schlug vor, den Fusions-Forschungsreaktor des IPP zu besuchen, wo er arbeitet, und ein Alumnus erklärte sich kurzfristig bereit, die Gruppe dabei zu begleiten.

Obwohl der Termin für einen Wochentag nachmittags anberaumt war, meldeten sich fast 30 Personen an, sicher begünstigt dadurch, dass das IPP sich auf dem Campus der TUM in Garching befindet, wo viele DAAD-Stipendiaten studieren und forschen. Aber es nahmen auch Geisteswissenschaftler teil, denn das Thema ist brisant: Heute wird weltweit über 90 Prozent des Energiebedarfs aus fossilen Quellen gespeist. Vor allem wegen des Klimawandels und der Endlichkeit der fossilen Brennstoffe brauchen wir langfristig ein neues Energiekonzept. Und eine der Alternativen ist Kernfusion. Die physikalischen Grundlagen für ein Fusionskraftwerk, das Energie aus der Verschmelzung von leichten Atomkernen gewinnen soll, werden im IPP erforscht. Als Teil des Europäischen Fusionsprogramm ist es mit seinen zwei Standorten eines der größten Zentren für Fusionsforschung in Europa. Hier die Eindrücke von DAAD-Alumnus Kilian Lieret. Interessanterweise ist mit das Auffälligste der enorme Strombedarf der Anlage selbst und wie er befriedigt wird.

Sibylle Wahl, Regionalgruppe München

Erster Teil der insgesamt zweistündigen Führung war eine dreißigminütige Vorlesung/Einführung inklusive einiger Video-Einspielungen, die das Thema von Grund auf erklärt hat. Danach haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und gingen erst zum Reaktor selber. Hier sieht man hauptsächlich Rohre und Kabel, aber auch das war überaus interessant.

Anschließend ging es weiter in den Kontrollraum (größer als erwartet) und dann zum Stromversorgungsgebäude. Letzteres empfand ich tatsächlich sogar als das Highlight, weil es ziemlich faszinierend war: Der Reaktor wird gepulst betrieben, das heißt immer nur für circa 10 Sekunden am Stück, aber für diese Zeit braucht man anscheinend die Hälfte des Stromes von München. Das normale Netz lässt es natürlich nicht zu, solche Mengen an Strom einfach abzuzapfen, und deshalb wird das Folgende gemacht: Es gibt vier riesige 200 Tonnen schwere Metallkörper, die mit der normalen Stromversorgung bis knapp an die Schallgeschwindigkeit zum Rotieren gebracht werden, und für die 10 Sekunden Reaktorbetrieb schließt man dann diese Metallkörper wiederum an einen Generator an, der diese Rotationsenergie in eine riesige Strommenge umwandelt (für eine entsprechend kurze Zeit). Diese Motor-Generatorenpaare kann man auch wirklich von Nahem sehen bzw. sogar „reinlaufen“.

Ganz am Ende waren wir dann noch kurz in einer Mini-Ausstellung, was auch interessant war. Zu sehen waren einige Teile von anderen Reaktoren, die man dann auch anfassen kann.

Kilian Lieret, Regionalgruppe München