Zusammen mit achtzehn Stipendiatinnen und Stipendiaten aus vierzehn Ländern stiegen wir am Samstagmorgen in Berlin HBF in den ICE nach Südwesten: Ziel war Weimar, die einstige Hauptstadt von Thüringen, „Europäische Kulturhauptstadt 1999“ und das kulturelle und literarische Zentrum der deutschen Klassik.

Schon auf dem Weg vom Hauptbahnhof Weimar begegnet einem die glänzende, aber auch zwiespältige Geschichte dieser Stadt: Die Bürgerhäuser und neoklassizistischen Bauten werden plötzlich unterbrochen vom unförmigen, als regionaler Prunkbau angelegten „GAU-FORUM“, der von den Plänen der Nationalsozialisten für die Stadt zeugt. Dann schloss sich der Besuch des STADTMUSEUMS an – in diesem Gebäude soll Goethe zum ersten Mal seine spätere Frau, Christiane Vulpius, getroffen haben. In dieser großbürgerlichen Villa der mit Goethe befreundeten Familie Bertuch ist die Stadtgeschichte dargestellt, aus der wir uns vor allem der Ausstellung zur „WEIMARER REPUBLIK“ (und -Verfassung) widmeten, die im kommenden Jahr hundertjähriges Jubiläum feiert. Ebenso alt wird die in Weimar geborene BAUHAUS-Bewegung, für die die Stadt momentan ein nagelneues Museum errichtet.

Schwerpunkt des ersten Tages war natürlich die „WEIMARER KLASSIK“, mit der Besichtigung der im Jahre 2004 durch einen verheerenden Brand zerstörten und nun wieder restaurierten HERZOG-ANNA-AMALIA-BIBLIOTHEK, ein Kleinod im Rokoko-Stil. Dann schloss sich der Besuch des eindrucksvollen neugestalteten GOETHE-NAIONALMUSEUMS und des GOETHE-WOHNHAUSES am Frauenplan an. Die abendliche Kneipentour wurde durch die WM-Fußballübertragung Kroatien-Brasilien und Begegnung mit FK-Freunden aus Weimar gewürzt.

Im Gegensatz zum Samstag stand der zweite Tag unserer Exkursion im Zeichen der düsteren Seiten der deutschen Geschichte, denn auf dem Programm stand der Besuch der nahe gelegenen GEDENKSTÄTTE KONZENTRATIONSLAGER BUCHENWALD auf dem Ettersberg. Der Besuch der Ausstellungen und des weitläufigen Geländes hinterließ wohl alle nachdenklich und erschüttert. So war es gut, dass nach Rückkehr in die Stadt noch Zeit blieb für Spaziergänge kleiner Gruppen zu weiteren bedeutsamen Orten: Goethes Gartenhaus, Ilm-Park, Bauhaus-Universität oder eine Kaffeepause vor dem Nationaltheater. Wie geplant landeten wir Punkt 20 Uhr wieder in Berlin.

Die Teilnehmenden zeigten sich sehr zufrieden mit der Reise nach Weimar, insbesondere wurde die entspannte Atmosphäre in der Gruppe, die Führung durch das Goethe-Nationalmuseum und der direkte Kontakt mit der Geschichte gelobt, aber auch die Möglichkeit, DAAD-Kommilitonen aus so vielen verschiedenen Ländern kennenlernen und sich über Studium und persönliche Situation austauschen zu können. Auch mit der einfachen, aber funktionalen und vor allem freundlichen Pension LABYRINTH Hostel hatten wir Glück.

Der DAAD-Freundeskreis darf sich über dieses gute Feedback freuen. Es zeigt, dass das Ziel, den Stipendiatinnen und Stipendiaten bei geringen Eigenkosten interessante neue Einblicke in ihr Gastland Deutschland zu ermöglichen und neue Freunde aus vielen Kulturen zusammenzubringen, erfüllt wurde. 

Wir freuen uns auf die nächste Städtereise!

Günter Kipfmüller und Martin Konvička (DAAD-FK, Regionalgruppe Berlin)