Da das vielfältige Indoor-Angebot der Münchner Museenlandschaft für Gruppen aufgrund der Pandemiesituation aktuell nur sehr eingeschränkt nutzbar ist, machten wir aus der Not eine Tugend und widmeten uns in einer Kunstführung am 05.10.2020 mit dem Künstler und Kunstpädagogen Camill von Egloffstein dem Skulpturenpark des Kunstareals München, den man ansonsten mitunter nur im Vorbeilaufen auf dem Weg zu einer der Pinakotheken sieht.

Wie bereits mehrmals zuvor diente die Veranstaltung auch zur Kooperation zwischen den Münchner DAAD-Alumni und der Regionalgruppe München des Tönissteiner Kreises.

Wir trafen uns am Türkentor, einem Bauwerk, das auch Münchnern oft nicht geläufig ist. Dieses Tor ist ein „Überbleibsel“ der einst auf dem Gelände der Pinakotheken befindlichen Türkenkaserne und beherbergt seit 2010 die Skulptur „Large Red Sphere“ des amerikanischen Künstlers Walter De Maria. Wie wir in der Führung erfahren haben, kann das Türkentor auch von innen besichtigt werden.

Auf unserem Spaziergang über die Wiesen vor den Pinakotheken widmeten wir uns dann den verschiedenen Skulpturen und auch dem Design-Klassiker, dem „Futuro-Haus“ von Matti Suuronen, das als Hommage an die Neue (Design-)Sammlung in der Pinakothek der Moderne direkt vor dem Gebäude platziert wurde und damit reichlich Anlass zur Diskussion im Münchner Kunst- und Kulturbetrieb bot.

Anhand dieses weitgehend aus Kunststoff bestehenden Werkes wies uns unser Kunstvermittler auch auf die Probleme des Alterns von Skulpturen im öffentlichen Raum hin.

Als Kontrast dazu war es auch interessant, Eduardo Chillidas „Buscando la Luz“, eine aus Eisen gefertigte Skulptur, als Beispiel des „Nice Ageings“ näher zu betrachten.

Nach Überquerung der Barerstraße wandten wir uns u. a. Hans Wimmers Skulptur „Trojanisches Pferd“ zu. Bei Hans Wimmer handelte es sich um einen Künstler, der nicht im Einklang mit den Vorstellungen der NS-Zeit war und damit in Ungnade gefallen war.

In vollem ästhetischem und ideologischem Gegensatz dazu steht Hermann Hahns „Rosselenker“ an der Arcisstr. Interessant ist die an diesem Denkmal dezent angebrachte Glastafel, die Teil des Projekts „Wunden der Erinnerung“ von Beate Passow und Andreas von Weizäcker ist.

Schließlich beschäftigten wir uns auch mit der Skulptur „Liegende“ von Henry Moore. In diesem Zusammenhang erfuhren wir die Anekdote, dass es wohl Teil des Münchner Fußball-Aberglaubens ist, dass man die Skulptur nach einem geschossenen Tor „abklatscht“ und die Skulptur dadurch an gewissen Stellen ungewollte farbliche Veränderungen erfahren hat. Wir erfuhren also über die praktisch-alltäglichen Probleme, die es bei der Platzierung von Kunst im öffentlichen Raum zu bewältigen gilt.

Regionalgruppe München